Menschen helfen Menschen in und um Berlin e.V.

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Soziales Zentrum
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Foto: Kai von Kotze/Immowelt von links Horst Schmiele, Sabine Schmiele
„Wir können einfach nicht anders“ Das Ehepaar Schmiele versorgt seit zehn Jahren bedürftige Familien mit Lebensmitteln, Kleidung und Schulsachen VON ANDREA UHRIG Dass viel Arbeit auf sie zukommt, hatten sich Horst und Sabine Schmiele schon gedacht, als sie vor knapp zehn Jahren den Verein „Menschen helfen Menschen in und um Berlin“ gründeten. „Aber es hat uns förmlich überrollt.“ Was als erste mobile Lebensmittelausgabe in Berlin startete, unterstützt inzwischen über 5.000 Berliner Familien regelmäßig mit frischem Obst, Gemüse und Brot, vermittelt Kleidung, Möbel und Schulutensilien. Um helfen zu können, gab das Ehepaar seine ursprünglichen Berufe auf – und widmet sich mit viel Hingabe der neuen Aufgabe. Wenn es nach den Schmieles geht, könnte der Tag 48 Stunden haben. Von früh bis spät sind der 62-Jährige und seine Frau auf den Beinen, organisieren Spenden, erledigen Büroarbeiten, teilen die inzwischen bis zu 40 Helfer ein und packen mit an, wo gerade jemand fehlt. An drei Tagen pro Woche steht Sabine Schmiele in der Küche des Vereins in der Wollankstraße 58 und kocht für die gesamte Mannschaft. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein, wenn man so was macht“, sagt sie, während sie die Gurken schält. „Ich vermisse meine Enkel, aber wenn man sieht, dass man Menschen glücklich macht, dann ist es wie eine Sucht.“ Sabine Schmiele hatte vor zehn Jahren die Idee für die mobile Essensausgabe. Als Ehrenamtliche hatte die Malerin bei der Berliner Tafel mit geholfen, die zu diesem Zeitpunkt nur feste Institutionen belieferte. Als ihr Mann seinen Job als Vorarbeiter im Trockenbau verlor, beschlossen die beiden, ihre Berufe an den Nagel zu hängen und selbst zu helfen. „Wir wollten die Kinder von einkommensschwachen Familien unterstützen.“ Davon gibt es viele in der Stadt: 200.000 Jungen und Mädchen – jedes 3. Kind – leben laut Deutschem Kinderschutzbund unterhalb der Armutsgrenze. „Ich möchte mithelfen, sie gut und sicher auf den Weg zu bringen“, sagt die 57-Jährige. Nach dem Motto: „Handeln nicht nur reden“ packte das Paar seine selbst gewählte Aufgabe an. Waren es 2004 noch 350 Haushalte, die versorgt wurden, hatte sich die Zahl bis 2010 schon verelffacht. Heute stehen über 5.300 Familien auf der Liste, die – wenn sie ihren Berlin-Pass, Sozial- oder ALG-Bescheid vorlegen – Lebensmittel bekommen. 2150 Männer und Frauen, junge und alte Menschen, Mütter und Alleinerziehende kommen regelmäßig zu den vier Ausgabestellen. Mit ihren Einkaufstrolleys stellen sie sich geduldig in der Schlange an, packen Tüten mit frischem Obst und Gemüse ein, freuen sich über Jogurt, Brot, Kräuter und sogar Blumensträuße und Spargel. „Eine Tüte wiegt im Schnitt 7,5 Kilo, wir nehmen pro Stück einen Obolus von 1,50 Euro“, erklärt der Vereinsgründer, „damit passen wir uns den Gegebenheiten der ,Laib und Seele‘- Stellen der Berliner Tafel an.“ „Es ist eine wunderbare Einrichtung“, freut sich eine Mutter, die jeden Mittwoch zum Franz-Neumann-Platz in Reinickendorf kommt, um sich, ihre Pflegebedürftige Mutter und ihren Sohn zu versorgen. Ihr Mann hatte sie verlassen, zahlt keinen Unterhalt, wegen ihrer kranken Mutter kann sie nicht arbeiten. „Es ist unglaublich, wie schnell man in die Armut rutscht. Das hier ist ein echter Lichtblick. Und da sind sogar Blumen dabei, die wären sonst niemals drin Im Vereinsheim in der Wollankstraße werden pro Monat
32 Tonnen Lebensmittel in Tüten verpackt. Insgesamt rund 40 Mitarbeiter helfen bei der Abholung, Sortierung und Ausgabe der Lebensmittel – die Paprika, Gurken, Äpfel, Tomaten und Champions würden sonst von den Supermärkten entsorgt werden. 600 Kilometer pro Woche kurven die Helfer durch die Stadt, um die Waren vor dem Müllcontainer zu retten und bringen sie dann zum Verein in den Wedding. Dort geht es zu wie in einem Bienenstock: Während hinten die essbaren Spenden sortiert werden, stöbern Bedürftige durch den vorderen Teil der ehemaligen Markthalle. An den Wänden lehnen Schrankelemente und Spiegel, daneben stehen Schreibtischstühle, eine Waschmaschine, Lattenroste und Lampen. „Alles Sachen, die uns gebracht werden oder die wir auf Wunsch abholen“, erklärt Horst Schmiele. Im Kleiderladen stapeln sich Hosen, Jacken, Mäntel, Schuhe in allen Größen ordentlich in den Regalen. Gegen einen kleinen Obolus gibt es auch Bettwäsche, Babyzubehör und Spielsachen. Für Schulkinder haben die Schmieles extra noch eine Mappi-Station eingerichtet. Hier ist fast alles neu: Ranzen, Stifte, Hefte, Füller – gesponsert von Herlitz und anderen namhaften Herstellern. Einmal im Quartal darf hier jedes Kind zugreifen. 300 bedürftige Kinder die in diesem Jahr eingeschult, bekommen einen Schulranzen. Viele Aufgaben, viel Arbeit für die Schmieles und ihre Helfer, fast alles 1-Euro-Jobber sowie einige Ehrenamtliche. Der Verein finanziert sich ausschließlich von Spenden und dem Geld, das durch Lebensmittel, Kleider und Möbel eingenommen wird. Allein die Miete kostet 1.145 Euro, dazu kommen Energiekosten, Benzin und der Unterhalt der Autos. Aktuell sucht der Verein mit Hilfe des Online-Portals „www.veraendere- deine-Stadt.de“ günstige Lagerräume in Wedding. „Man muss dafür geboren sein“, sagt Sabine Schmiele „Wir können einfach nicht anders“, ergänzt ihr Mann. Auch wenn er kurz vor dem Rentenalter ist – ans Aufhören denkt der inzwischen ergraute Horst Schmiele nicht: „Das ist unser Lebenswerk, hier wird man mich raus tragen müssen“, sagt er, „ich hoffe, dass sich dann jemand findet, der genauso verrückt ist wie wir und weitermacht.“
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